Beratung für Pferd, Hund & Halter
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Hier ist mal etwas ganz anderes. Ich bin auf einen Artikel von Mark Rashid gestoßen, der mich schon zum Nachdenken  gebracht hat. Nun kann man diesen Artikel nehmen wie man will, aber selber finde ich den recht gut. Der Artikel ist auf Englisch und daher habe ich versucht ihn so gut wie ich kann zu übersetzen. Englisch sprechen und lesen ist eine Sache, aber einen Text zu übersetzen ist etwas ganz anderes, so entschuldigt wenn es nicht perfekt ist. Ich habe Mark Rashids Erlaubnis diesen Text hier zu veröffentlichen. Wer den Text lieber auf Englisch lesen möchte, soll auf diesen Link gehen und “All Things Natural” anklicken. http://www.markrashid.com/blog_archive.php#natural
Alles Natürlich (All Things Natural von Mark Rashid) Okay, hier mache ich mich bereit auf einen dünnen Ast zu klettern. Ich möchte gerne ein Thema ansprechen, worauf ich in vielen meiner Seminaren und erhaltenen Briefen und Emails angesprochen werde. Das Thema heißt „Natural Horsemanship“ (übersetzt: natürliche Reiterkunst oder natürliches reiterliches Können). Einige Leute sagen, dass ich ein „Natural Horseman“ bin weil ich mich von  gewissen Philosophien und Techniken bediene. Andere dagegen sind der Meinung, dass ich nicht „Natural“ bin aus, komischer Weise, den selben Gründen. Wenn ich gefragt werde, sage ich, dass es äußerst schwierig ist, wenn nicht total unmöglich, weder das eine noch das andere von etwas zu sein, das überhaupt nicht existiert. Wir kommen gleich darauf zurück, aber erst einmal einen schnellen Unterricht in Geschichte. Man könnte überrascht sein, zu lernen, dass der Begriff „Natural Horsemanship“ vor 1985 überhaupt nicht existierte. Zu ungefähr der Zeit erfand ein sehr bekannter Pferde-Trainer diesen Ausdruck und benutzte diesen als Marketingwerkzeug für das Trainingsprogramm welches er zusammen mit seiner Frau entwickelt hatte. Der Ausdruck fand Gehör bei vielen Leuten und ob sie diesem Programm folgten oder nicht, benutzten sie den Ausdruck um den Methoden und Techniken die sie an den Pferden benutzten einen Namen zu geben. „Ich mache natural horsemanship wenn ich mit dem Pferd trainiere.“ Über die Jahre hat sich der Ausdruck umgewandelt und von vielen Leuten zu einer Disziplin  der Reiterei, wie Dressur, Reining oder Springen, verwandelt. „Ich mache Natural Horsemanship“. Nun, bevor wir weitergehen, könnte es hilfreich sein, die Definition des Wortes Natural zu erläutern. Das Merriam-Webster-Wörterbuch erklärt das Wort so: entsprechend der oder verursacht von der Natur. Dictionary.com erklärt das Wort so: existiert in der oder ist geformt von der Natur (im Gegensatz zu künstlich): eine natürliche Brücke. So es scheint mir, als müsste eines der Beiden oder zumindest eine ähnliche Definition zutreffen, um für Horsemanship natürlich  zu sein. Das Problem ist, dass nichts was wir mit den Pferden machen stimmt damit überein. (   Hier die deutsche Bedeutung aus dem Duden: 1. zur Natur gehörend; in der Natur vorkommend; nicht künstlich vom Menschen nachgebildet, hergestellt 2. sich aus den Gesetzen der Natur ergeben 3. dem Vorbild in der Wirklichkeit entsprechend 2. angeboren 3. in der Natur des Menschen begründet 4. in der Natur von etwas begründet; folgerichtig 5. unverbildet, ungezwungen, nicht gekünstelt        ) Last uns mit den Anlagen anfangen, in denen wir die Pferde halten. Erst einmal eine Frage: Wie viele Tierarten, mit Ausnahme von Menschen, auf dieser Erde, bauen Anlagen um ein anderes Tier gefangen zu halten. Laut meinen Recherchen ….keines. So wenn wir Einzäunungen bauen um unsere Tiere zu halten, mag das für uns als Menschen natürlich zu sein (welches man auch diskutieren könnte), aber für die Tiere ist es definitiv nicht natürlich so gehalten zu werden. Das Resultat daraus wäre, dass wie groß oder klein die Anlagen auch sind die wir für unsere Tiere bauen, sind sie trotz allem unnatürlich für sie. Hier noch ein paar Fragen. Wie viele wilde Tiere, inklusive Pferde, lassen sich bereitwillig von einem anderen Tier bändigen? Wie viele Tiere lassen bereitwillig andere Tiere auf ihren Rücken klettern? So wenn wir irgendwie das Tier physisch beschränken oder es reiten, ist es unnatürlich, aber nicht nur für das Tier sondern auch für uns. Damit haben wir erst einmal unsere Basislinie. Ein Pferd in einer menschengemachten Anlage zu halten ist unnatürlich und das Pferd zu bändigen und zu reiten ebenso, weil nichts von dem steht im Einklang mit „existiert in der oder ist geformt von der Natur“ oder „ entsprechend der oder verursacht von der Natur“. Jetzt wo wir etabliert haben, dass das Halten, Bändigen und Reiten von Pferden unnatürlich ist, scheint der Rest den ich sagen will recht überflüssig, aber was spielt das schon für eine Rolle. Knotenhalfter kontra Gurtband- oder Lederhalfter. Da wir schon etabliert haben, dass das Bändigen des Pferdes unnatürlich ist, ist die Wahl des Halfters eine persönliche Einstellung. Meine persönliche Ansicht ist, dass ein plattes Gurtband- oder Lederhalfter humaner ist als ein Knotenhalfter, aber ich glaube keines der Halfter ist mehr natürlich als das Nächste. Aber um ehrlich zu sein, kann es Gelegenheiten geben, wo ein Knotenhalfter vorteilhafter sein kann für beide Pferd und Reiter, entsprechend den Umständen. Großer Freilauf kontra Boxenhaltung. Eine Anlage gebaut vom Menschen, in welcher Größe auch immer, ist nicht bestimmt durch die Natur noch existiert es oder ist geformt von der Natur, so unterm Strich ist eine Anlage unnatürlich. Zugegeben, wäre ein Pferd wahrscheinlich komfortabler auf der Wiese als in der Box, trotzdem ist bei Definition die Umzäunung unnatürlich. Gebiss, Gebisslos oder  andere Zäumung. Alle drei sind unnatürlich, so es fällt wieder unter die persönliche Einstellung und Bequemlichkeit des Pferdes und Reiters. Sattel oder kein Sattel. Wie schon behauptet, mag kein Tier ein anderes auf seinem Rücken ohne Desensibilisierung oder Training. Ein Pferd auf irgend eine Art und Weise zu reiten ist wieder bei Definition unnatürlich. Es kommt dann wieder auf die persönliche Einstellung und Bequemlichkeit des Reiters und des Pferdes an. Die Mehrzahl der Pferde würden wahrscheinlich das Reitergewicht auf einer großflächigen Auflage als komfortabler auffassen. Dies in Betracht gezogen, würde ein richtig angepasstem Sattel wahrscheinlich angenehmer sein für das Pferd als ein Reiter ohne Sattel. Hufeisen oder Barfuß.  Auf den ersten Blick, sollte es so scheinen, als wäre Barfuß mehr natürlich als Beschlagen und wäre das Pferd frei und wild ohne einen Reiter zu tragen, muss ich dem Recht geben. Aber domestizierte Pferde sind weder wild noch frei. Die meisten domestizierten Pferde, im Gegensatz zu Wildpferden, haben aber durch selektive Zucht keine soliden gesunde Hufe, so die domestizierten Pferde haben nicht mehr den Luxus von Hufen die von Natur bestimmt sind. Mit anderen Worten, haben domestizierte Pferde von vorn herein nicht mehr die (strukturell) wirklich natürlichen Hufe und wenn man dann versucht sie Barfuß laufen zu lassen können, und sehr oft werden, Probleme aufkommen für beides Reiter und Pferd. Was auch nicht bedacht wird, ist dass das domestizierte Pferd das Gewicht des Reiters und über Terrain tragen muss, an das das Pferd nicht gewohnt ist, welches in vielen Fällen zu Lahmheit und/oder schmerzhafte Empfindlichkeit führen kann. Die Alternative zu einem lahmen oder empfindlichen natürlichen Barfußpferd ist ihm Gummischuhe anzuziehen um den Huf zu schützen. Die Logik darin, muss ich zugeben, sehe ich nicht. Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass wenn ich einen Gummischuh über den Huf ziehe um den Huf zu schützen, kann ich genauso gut Eisen drauf Nageln. Zumindest würde das Pferd 24 Stunden Beständigkeit in wie sich die Hufe fühlen und bewegen erfahren. Bitte versteht mich nicht falsch. Ich finde es toll wenn ein Pferd so gesunde Hufe hat, dass es das ganze Jahr Barfuß auf allen Terrains laufen kann. In den Fällen ist es wahrscheinlich das Beste für das Pferd. Wenn aber der Huf nicht stark oder gesund genug ist, dann sollte man das wählen was für das Pferd das Beste ist. Wenn das bedeutet, dass das Pferd Eisen haben muss, dann tue ich das. Ich habe oft das Gefühle, dass Leuten oft ihre Ideologie im Weg steht für einen gesunden Menschenverstand. Das ist als wenn ein Hundehalter sich weigert seinem Hund  Fleisch zu füttern weil er selber Vegetarier ist. Vegetarier zu sein mag das richtige für den Hundebesitzer zu sein, aber es ist sicher nicht das Richtige oder Natürliche für den Hund. Weil die meisten Leute beim Arbeiten mit Pferden eventuell Probleme damit haben zwischen natürlich und unnatürlich zu unterscheiden, tauschen wir spaßeshalber die Worte Natürlich und Unnatürlich gegen Trocken und Nass aus. Wir können uns als Vorlage diese Situation vorstellen: Zwei Männer laufen in einen Teich. Der eine geht bis zum Hals rein, der andere nur bis zur Taille. Wer von den beiden ist noch trocken (natürlich)? Die Antwort offensichtlich, keiner von ihnen. Sie sind beide nass (unnatürlich). Nass ist nass und trocken ist trocken. Nur wenn einer der Männer nicht in den Teich gegangen wäre, wäre er trocken (natürlich) geblieben. Der Mann der nur bis zur Taille in den Teich gegangen ist, ist vielleicht weniger nass, aber er ist trotz allem nass. Zum Schluss glaube ich sagen zu können, dass nicht alles Natürliche unbedingt auch gut sein muss. Ein Tornado ist natürlich aber nicht gerade sehr hilfreich wenn unser Haus auf seinem Weg liegt. Arsenik ist natürlich, so auch Stechapfel, Rittersporn und Schwarznuss. Trotzdem halten wir uns und unsere Pferde fern davon, weil nicht nur sind sie schädlich sondern können auch tödlich sein. So nächstes Mal wenn wir etwas mit dem Pferd machen wollen, nur weil es „Natürlich“ sein soll, sollte vielleicht ein wenig Menschenverstand in unsere Entscheidung mit einbezogen werden.
Artikel von Mark Rashid